Siebengebirge, Erdgeschichte und Dinosaurier

Das Siebengebirge ist über 30 Milionen Jahre alt. Das ist eine unendlich lange Zeit, doch für die Erdgeschichte ist es nur ein Augenblick. Auf diesen Seiten geht es um die ferne Vergangenheit, von den Anfängen des Blauen Planeten bis zur Entstehung des Siebengebirges.

Als das Leben vor unendlich langer Zeit im Meer entstand, gehörte unsere Region zu einem Urkontinent auf der Südhalbkugel. Seitdem ging es über Millionen von Jahren durch den Kontinentaldrift langsam nordwärts. Im Devon lag unsere Region noch immer auf der Südhalbkugel. Das ganze Gebiet war überflutet, und an den Küsten entstanden im tropisch-warmen Wasser riesige Korallenriffe. Die Gebirgszüge aus Kalkstein, die wir heute z.B. in der Eifel sehen, sind Reste jener Korallenriffe. Flüsse schwemmten immer wieder Schlamm und Sand mit sich, die sich auf dem Boden ablagerten. Durch den gewaltigen Druck wurde aus dem Tonschlamm schließlich Tonschiefer, das Fundament unserer Berge. Nun bekommen wir dann festen Boden unter die Füße, denn die ältesten Gesteine aus unserer Region stammen aus dem Devon. Im Devon wurde es auch auf dem Festland lebendig. Zuerst verbreiteten sich die Pflanzen, und dann entdeckten die Urlurche das Festland als Lebensraum.

Zum Anfang des Karbons, das heißt der Steinkohlezeit, herrschten weltweit tropischen Bedingungen. Ausgedehnte Flachmeere mit weiten Küstenbereichen sowie riesige Sümpfe und Sumpfwälder prägten das Bild. Die Erde war grün! Aus dem riesigen Sumpfwäldern entstanden die große Steinkohlevorkommen in Nordamerika und Mitteleuropa. Ja, auch die des Ruhrgebiets, denn nun lag unsere Region am Äquator im Regenwaldgürtel. Die Ur-Kontinente bewegten sich aufeinander zu, und wo sie kollidierten, wurden große Gebirge aufgefaltet. Auch das Rheinische Schiefergebirge entstand auf diese Weise.

Das folgende Perm war eine Zeit extremer Gegensätze, bei uns war es zu jener Zeit heiß und sehr trocken. Am Ende des Perms geschah eine Katastrophe, denn ca. 75% der Landtiere und sogar ca. 95% der Meerestiere starben aus.

Die Zeit der Dinosaurier

Nach dem Massensterben am Ende des Perm war die Trias ein neuer Anfang. Schließlich, in der Oberen Trias, begann das Zeitalter der Dinosaurier. Über 180 Millionen Jahre lang bis zum Ende der Kreidezeit haben sie Leben auf allen Kontinenten der damaligen Welt geprägt, und entwickelten eine unglaubliche Vielfalt.

Das alles ist unendlich lange her. Schon 30 Millionen Jahre übersteigt meine Vorstellungskraft, umso mehr 180 Millionen Jahre. Da sucht man sich schon einmal Anhaltspunkte in der fernen Vergangenheit. Kannten die Dinosaurier das Siebengebirge? Leider nein, vom Siebengebirge war noch nichts zu sehen, als die Dinosaurier durch die damalige Welt zogen. Das soll uns aber nicht davon abhalten, einen ausgedehnten Ausflug in die Urzeit zu machen!

Das Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren brachte dramatische Veränderungen. In gewaltigen, lang anhaltenden Vulkanausbrüchen strömten Lava und Dampf aus, dabei stiegen große Mengen giftiger Gase (Kohlendioxyd) in die Atmosphäre. Hierdurch kam es zu drastischen Klimaänderungen, und das wiederum veränderte die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen. Viele Beiträge sprechen daher von einem „Inferno zum Ende der Kreidezeit“.

Die Zeit der Säugetiere

Die Erde muss ziemlich leer gewirkt haben, nachdem die Dinosaurier verschwunden waren. Die ersten Säugetiere waren klein und verloren sich fast in den Urwäldern. Dann entwickelten sie eine unglaubliche Vielfalt.Im Eozän kommen erste Pferde wie Hyracotherium, erste Elefanten, erste Huftiere wie Andrewsarchus und erste Flusspferde wie das Moeritherium. Dazu riesige Laufvögel wie Diatryma, die keine heutigen Verwandten haben. Im Oligozän gab es erste Schweine, Hunde und Katzen. Bronthotherium und Arsinotherium haben keine heutigen Verwandten.

Brontotherium im Annatal, Siebengebirge (?)
Brontotherium im Annatal, Siebengebirge (?)

Millionen Jahre später im Oligozän - Vulkanausbrüche!

Millionen Jahre später, im Oligozän, lag unsere Region noch immer südlicher als heute, etwa auf der Höhe von Norditalien. Und nun ging es los. Über Millionen von Jahren bis ins Miozän hinein kam es immer wieder zu Vulkanausbrüchen, und das Siebengebirge entstand. Heute wissen wir, dass unsere Region Teil des Rheingrabens ist, eines großen kontinentalen Bruchliniensystems. An solchen Linien brechen Kontinente vielleicht auseinander, und dann kommt es zu heftigen Vulkanausbrüchen.

In einer ersten Ausbruchsphase wurden Lava und große Mengen von Steinen an die Oberfläche geschleudert, wo sie langsam erkalteten. Das waren die Trachyttuffe. Bald war ein Gebiet weit über das heutige Siebengebirge hinaus damit bedeckt.

In einer zweiten Ausbruchsphase blieben die Trachyte in der dicken Schicht aus Trachyttuff stecken, so dass die Trachyttuffdecke hochgewölbt wurde. Zahlreiche Berge entstanden: Drachenfels, Schallenberg, Geisberg, Jungfernhardt, Lohrberg, Perlenhardt, Wasserfall, großer Ölberg und Lahrberg.

In einer dritten Ausbruchsphase erschienen Latittuffe und Latite. Sie durchbrachen den Trachyttuff und formten ihrerseits Berge: Wolkenburg, Bolvershan, Hirschberg, Stenzelberg, Lahrberg, Himmerich, Mittelberg und Broderkonsberg.

Die letzte Ausbruchsphase fällt schon in Miozän. Nun kamen mit der Lava Basalttuffe und Basalte. Als letzte Berge entstanden: Asberg, Leyberg, Scheerkopf, Petersberg, Nonnenstromberg, der Kern des großen Ölbergs, der kleine Ölberg, Weilberg, Dollendorfer Hardt, Rabenley und Finkenberg.